Arbeitsrecht – Buhrufe vom Staat

Wenn Kunst auf Verwaltung trifft, kommt es mitunter zu Meinungsverschiedenheiten. So auch bei der Schauspielerin Rebecca Molinari und der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. Diese weigerte sich nämlich, Molinari in ihre Schauspielervermittlung aufzunehmen – und zwar, weil sie die fachlichen Voraussetzungen dafür angeblich nicht erfülle. Im Gegenzug wirft Molinari der ZAV vor, die Absolventen privater Schauspielschulen pauschal zu benachteiligen. Am Donnerstag entscheidet das Bundessozialgericht über den Fall.Vor sieben Jahren, nach ihrem Abschluss an der privaten Filmschauspielschule Berlin, bewarb sich Molinari um Aufnahme in die Fachvermittlung der ZAV, die Schauspieler mit Theatern zusammenbringt. Sie sprach vor einer dreiköpfigen Jury vor, drei fünfminütige Passagen aus Theaterstücken. Danach die Enttäuschung: Man könne sie nicht aufnehmen, sagten die Prüfer. Außerdem habe die Jury sie gefragt, so erzählt es Molinari später, ob sie sich das gut überlegt habe, in diesem Alter noch eine Schauspielkarriere zu beginnen. Sie war damals 33. In einem Vermerk der ZAV zu dem Vorsprechen steht Vernichtendes: „ohne jeden Charme“, „spricht ganz gut, hat aber wenig Ausstrahlung“ , „wirkt ältlich“. Man habe ihr stattdessen vorgeschlagen, sie als Verkäuferin in den Pool aller Arbeitssuchenden aufzunehmen, sagt Molinari – weil sie einmal für kurze Zeit im Verkauf gearbeitet hatte. „Dabei habe ich das nicht mal gelernt.“ Molinari sah in der Ablehnung nicht nur eine Diskriminierung wegen ihres Alters, sondern auch eine Benachteiligung aller Absolventen privater Schulen.

Quelle: Arbeitsrecht – Buhrufe vom Staat – Politik – Süddeutsche.de

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