Bloß keine Zeit verschwenden

In den Organisationen, in denen ich früher gearbeitet habe, hatten Meetings den Charakter der Berichterstattung. Die Projektleiter erzählten, wie der Status ihres Projekts aussah, die Manager stellten schlaue Fragen. Dieses Muster wiederholte sich in einem Steuerungskreis nach dem nächsten. Damit erzielt man keine Ergebnisse, und das ist auch der Grund, warum Meetings häufig als Zeitverschwendung gelten.Wir glauben, dass wir es heute besser machen. Unser Bereich ist dafür da, unsere Website weiterzuentwickeln; ich leite den Technikarm von Otto.de, in dem rund 110 Mitarbeiter aus verschiedenen Disziplinen zusammenkommen, wie Designer, Produktmanager und Softwareentwickler. Sie bilden 20 Teams, die sich selbst steuern. Daraus ist eine Meetingkultur entstanden, die sich von anderen Unternehmen unterscheidet. Auf der Führungsebene halten wir keine Besprechungen mehr ab, die nur dem Informationsaustausch dienen. Eigentlich haben wir nur ein festes Treffen in der Woche: Jeden Dienstagmorgen treffen wir uns mit allen Leitungsfunktionen vor einem großen Kanban-Board, das die komplette Produktentwicklung abbildet. In 30 Minuten erheben wir den Status aller Projekte, damit jeder weiß, wo wir gerade stehen. Ich habe dabei eine beobachtende und keine moderierende Rolle. Aber ich gebe dem Meeting Gewicht und kann mich zu Themen äußern, die auf Managementebene gelöst werden müssen. Führungskräfte, die Meetings zu Informationszwecken einberufen, sollten sich immer fragen: Müssen wir wirklich jedes Detail wissen? Können wir diese Information überhaupt für irgendetwas nutzen? Oft gelangt man zu dem Schluss, dass dies nicht der Fall ist. Dann braucht es auch kein Meeting. Bei uns sorgt das öffentliche Kanban-Board für Transparenz: Alle sehen, woran die Teams arbeiten, wie weit sie sind und welche Erfolge sie haben.

Quelle: Bloß keine Zeit verschwenden – Harvard Business Manager

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