EF | Deutschland, du brauchst mehr Arschlochfrauen

Die Frauenquote ist seit 2016 offiziell, dem Sexismus in der Angestelltenwelt der Kampf angesagt. Aber wie steht’s um die faire Bezahlung von Freiberuflerinnen in der Kreativbranche?

Geldgeile Zicken

Ich kenne einen Witz. Der geht so: „Wie heißen Freiberufler, die sich über schlechte Bezahlung aufregen?“ – „Geschäftsmänner.“ „Und wie nennt man Freiberuflerinnen, die sich über schlechte Bezahlung aufregen?“ – „Zicken.“ 25,5 Prozent der Gründer in Deutschland sind Frauen. Im Jahr 2015, so gibt es die Künstlersozialkasse auf ihrer Website an, verdienten weibliche Mitglieder durchschnittlich 4000 Euro weniger als die männlichen Kollegen. Überfordert die Chefrolle das zarte Geschlecht?

Deutschland, du brauchst mehr Arschlochfrauen. Jene, die sich einen Dreck darum kümmern, was andere denken. Die zu dem stehen, was sie draufhaben. Dein Kunde weigert sich, zu bezahlen? Leg dir einen Rechtsschutz zu. Du bekommst eine Projektanfrage ohne Budget? Mach klar, dass du nicht mietfrei wohnst. Dass du auch mal Urlaub brauchst; dass du statt Fiat Panda im nächsten Sommer Mercedes mit Schiebedach fahren willst. Glaubst du, das hast du nicht verdient?

Ich treffe eine freie Art Direktorin. Sie kommt gleich zur Sache. „Sobald ich auf das branchenübliche Honorar bestehe, werde ich nicht mehr gebucht.“ Das fände sie mittlerweile normal. Sagt sie ihre Meinung zu einer Idee oder einem Entwurf, gilt sie in der Agentur als anstrengend. „Die wollen einen Typen, der nur Pixel schubst und die Klappe hält.“

Auf Twitter schreibt mir eine freie Journalistin aus Hamburg. Sie wurde offen auf ihre Verhandlungstaktiken angesprochen. „Zeigen Sie doch mal Ihre weibliche Seite“, säuselte der Auftraggeber charmant in den Hörer, „dann finden wir vielleicht zusammen.“

Eine freie Autorin aus Köln überlegt derweil, sich ein männliches Pseudonym zuzulegen. Schlägt sie ihren Auftraggebern Lifestyle-Themen vor, muss sie nicht verhandeln. Geht es um den Sport- oder Wirtschaftsteil, kämpft sie um jeden Euro – im Gegensatz zum männlichen Autorenstamm………………………………………

Quelle: EF | Deutschland, du brauchst mehr Arschlochfrauen

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