Über den Fachkräftemangel im Bäckereihandwerk wird seit Jahren diskutiert. Betriebe suchen angeblich händeringend Nachwuchs. Gleichzeitig hört man immer wieder: „Es gibt einfach zu wenige Bewerber.“
Doch unsere aktuelle Erfahrung zeigt ein anderes Bild.
Wir versuchen gerade, für eine junge Frau aus Nepal einen Ausbildungsplatz zu finden – entweder im Bäckereiverkauf oder im Bäckerhandwerk. Sie lebt seit August 2025 bei ihrer Schwester in Berlin,
spricht Deutsch auf B2-Niveau und möchte unbedingt eine Ausbildung beginnen. Die Voraussetzungen sind also gut.
Die Suche nach Ausbildungsplätzen gestaltet sich jedoch überraschend schwierig.
* In der Jobbörse der Arbeitsagentur finden sich nur sehr wenige Ausbildungsangebote im Bäckereibereich.
* Die Bäckerinnung Berlin listet aktuell nur drei Ausbildungsstellen für ganz Berlin.
* Auch auf Bundesebene sind über die Verbände nur wenige Angebote sichtbar.
* Viele Bäckereien sind im Internet kaum auffindbar – teilweise nicht einmal mit einer E-Mail-Adresse.
Das führt zu einer provokanten Frage:
**Gibt es wirklich zu wenige Bewerber – oder sind die Ausbildungsplätze einfach zu gut versteckt?**
Nicht jede Bäckerei benötigt eine aufwendige Website. Das ist verständlich. Aber eine kleine digitale Visitenkarte mit den wichtigsten Informationen – Adresse, E-Mail, Ansprechpartner und dem Satz **„Wir bilden aus“** – wäre schon ein großer Schritt.
Die Kosten dafür liegen oft nur zwischen **300 und 500 EUR**.
Für junge Menschen – und besonders für internationale Bewerber – beginnt die Ausbildungsplatzsuche heute fast immer im Internet. Wenn Betriebe dort nicht zu finden sind, existieren sie für viele Bewerber schlicht nicht.
Vielleicht lohnt es sich also, den Fachkräftemangel auch einmal aus dieser Perspektive zu betrachten:
**Nachwuchs kann man nur finden, wenn man auch gefunden wird.**