Fachkräftemangel: Kurve zeigt Fluch der Vollbeschäftigung 

Fachkräftemangel: Kurve zeigt Fluch der Vollbeschäftigung 

Die Zahl der offenen Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt steigt auf ein neues Rekordniveau. Unternehmen bekommen kaum noch Personal. Experten schlagen Alarm: In Wahrheit sei alles noch viel schlimmer.

Deutschlands Arbeitsmarkt eilt von Rekord zu Rekord. Seit der Finanzkrise vor knapp zehn Jahren geht es stetig nach oben. Noch nie zuvor hatten so viele Menschen einen Job. Das ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite steigt die Zahl der Stellen, die nicht besetzt werden können, rapide an. Für Deutschlands Unternehmen wird das zunehmend zum Problem. Sie trifft der Fluch der Vollbeschäftigung.

Die ohnehin schon hohe Zahl offener Stellen hat im vergangenen Jahr noch einmal dramatisch zugenommen. 1,46 Millionen unbesetzte Stellen gab es im letzten Quartal 2018. Im Vergleich zu den vorangegangenen drei Monaten ist das ein Zuwachs von 221.000 Stellen. Dieser Anstieg ist zwar saisonal bedingt – traditionell steigt die Zahl der offenen Stellen zum Jahresende. Doch auch im Vergleich zum Vorjahr gibt es ein Plus von 275.000 vakanten Positionen.

Das geht aus am Dienstag veröffentlichten Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor. Besonders im Westen verzeichneten die Forscher einen kräftigen Anstieg. Das Institut untersucht mit der IAB-Stellenerhebung viermal jährlich das gesamte Stellenangebot, also auch jene Stellen, die den Arbeitsagenturen nicht gemeldet werden. Im vierten Quartal 2018 wurden Antworten von rund 14.500 Arbeitgebern aller Wirtschaftsbereiche ausgewertet.

„Der starke Anstieg der offenen Stellen kam für uns eher überraschend. Er lässt sich jedoch nicht an einem einzelnen Wirtschaftszweig festmachen“, sagt IAB-Arbeitsmarkt-Experte Alexander Kubis. Der deutsche Arbeitsmarkt scheint in der Breite so robust zu sein, dass Unsicherheiten wie Brexit und Handelskonflikt bisher einfach an ihm abperlen.

Schon seit Jahren warnen Ökonomen vor einem flächendeckenden Fachkräftemangel. Betrachtet man die jetzt vorgelegten Zahlen genauer, dann scheint dieses Szenario eingetreten zu sein. Das Verhältnis zwischen Arbeitslosen und offenen Stellen ist zuletzt dramatisch gesunken. 2010 kamen auf eine offene Stelle rechnerisch noch 3,6 Arbeitslose. Im Osten waren es damals sogar acht. Selbst 2016 lag das gesamtdeutsche Verhältnis noch bei 3:1. Seitdem hat sich dieses nochmals halbiert. Rechnerisch kommen auf jede Stelle also nur noch 1,5 Arbeitslose. Unterschiede gibt es zwischen Osten (1,7) und Westen (1,5) kaum noch.

Quelle: Fachkräftemangel: Kurve zeigt Fluch der Vollbeschäftigung – WELT

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