Fördert die Zeitarbeit den Menschenhandel in der Alten- und Krankenpflege?

Immer öfter sieht man Stellenangebote aus der Zeitarbeit, die für die weitere Entwicklung in diesem Betätigungsfeld nicht zuträglich sind.

Wie Sie aus der nachfolgenden Stellenanzeige erkennen können, werden hier nicht nur sehr hohe Stundenlöhne, sondern zusätzlich noch Wechselprämien und ein Empfehlungsbonus angeboten.

Nun zuerst zum Text der Stellenanzeige:

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Wir suchen Fachkräfte (auch ohne Examen), die ihre Arbeit mit Herzblut und Leidenschaft ausüben. Die Bereitschaft zu Fort- und Weiterbildungen im Pflegebereich sollte daher genauso selbstverständlich sein, wie Zuverlässigkeit, eine hohe Sozialkompetenz sowie Empathie- & Teamfähigkeit.

– Was wir Ihnen bieten –

  • einen unbefristeten Arbeitsvertrag nach IGZ
  • übertarifliche Bezahlung bis zu 20,-€/h
  • Wechselprämie bis 6.000,-€
  • Urlaubs- & Weihnachtsgeld
  • Fahrkostenzuschüsse und anteilige KFZ-Finanzierung
  • Firmenwagen auch für die private Nutzung
  • Weiterempfehlungsbonus bis zu 1.000,-€
  • weitere Zulagen
  • fachliche Fort- & Weiterbildung
  • teamunabhängige Urlaubsplanung

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Betrachten wir zuerst einmal, was hier passiert. Man zielt darauf ab, durch hohe Wechselprämien und weitere Zulagen, Mitarbeiter aus einem Unternehmen abzuwerben, welches durch den Weggang der Mitarbeiter geschwächt wird. Ein anderes Unternehmen aus der Altenpflege stellt diesen Mitarbeiter ein und muss die zusätzlichen (überzogenen?) Kosten decken. Am Ende bleiben aber die Kosten bei der Pflegekasse oder zumindest den zu pflegenden Personen hängen und Beitragserhöhungen in der Rentenversicherung werden mit Sicherheit nicht ausbleiben.

Diejenigen, die jetzt die Pflege durch Beitragszahlungen finanzieren, werden später wahrscheinlich selbst kaum in der Lage sein, für ihre eigene Alterssicherung aufzukommen.

Kurzfristig betrachtet, kann die Vermittlungsagentur sicherlich gut Geld verdienen und auch für die wechselwillige Arbeitskraft zahlt sich der Handel aus.

Mittelfristig sehe ich die Gefahr, dass ein durch eine Wechselprämie gefundene Person nach einem Zeitraum von 1 oder 2 Jahren wieder damit rechnet, von einem anderen Unternehmen abgeworben zu werden, um nochmals eine beträchtliche Prämie zu erhalten.

Lesen Sie auch:  Nein, man braucht NICHT per se eine Einwilligung zur Datenverarbeitung vom Bewerber. Auch nach DSGVO nicht…

Die Grundidee höhere Löhne zu zahlen und die Arbeitsbedingungen angenehmer zu gestalten, ist vollkommen richtig. Dafür können die Institutionen in der Altenpflege selbst sorgen. Zur Not – für die Uneinsichtigen – mit gesetzlichen Zwang.

Wie denken Sie über dieses Thema?

 

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