«Ü50 haben kaum Nachteile gegenüber Digital Natives»

Herr Schellenbauer, die Avenir-Suisse-Studie «Wenn die Roboter kommen» zeigt, dass die Digitalisierung noch keine grossen Umwälzungen gebracht hat. Das widerspricht der allgemeinen Wahrnehmung.
Patrik Schellenbauer*: Die öffentliche Wahrnehmung basiert auf einseitigen Negativszenarien, vor allem für den Arbeitsmarkt. Die Realität sieht ganz anders aus. Das zeigt sich etwa in der Verbreitung von atypischen Arbeitsformen. In einer digitalen Welt wäre zu erwarten, dass viele Leute mehrere Jobs gleichzeitig machen. Konkret: Jemand versucht sich selbstständig in einem Startup und ist gleichzeitig in einem kleinen Pensum noch irgendwo angestellt. Oder man arbeitet halbselbständig für mehrere digitale Plattformen. Davon sieht man jedoch wenig. Die Arbeitsformen sind noch immer sehr traditionell. 90 Prozent der Leute sind fest angestellt.

Bis anhin haben Roboter noch kaum Arbeitsplätze vernichtet. Könnte sich das ändern, wenn plötzlich die disruptiven Kräfte voll durchschlagen?
Kurzfristig wäre es sicher anspruchsvoll, eine eigentliche Disruption im Arbeitsmarkt zu bewältigen, aber dieser Fall ist unwahrscheinlich. Langfristig ist das Gegenteil der Fall: Wenn die Digitalisierung richtig einsetzt, wird es eine grössere Nachfrage nach Arbeitskräften geben, das Ende der Arbeit wird vorschnell ausgerufen. Die Jobs und Arbeitsinhalte werden sich laufend weiterentwickeln – das ist aber nicht erst seit heute so. Es ist ein stetiger Prozess, zugleich werden neue Jobs entstehen.

Quelle: «Ü50 haben kaum Nachteile gegenüber Digital Natives» – Handelszeitung

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