Wie Ausländer in Deutschland betrogen werden.

Immer wieder erleben wir, dass ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland in Arbeitsverhältnisse geraten, die nicht den gesetzlichen Standards entsprechen.
Dieses Fallbeispiel zeigt, wie wichtig es ist, seine Rechte zu kennen – und welche Konsequenzen entstehen können, wenn diese systematisch missachtet werden.

Ausgangssituation

Eine Arbeitnehmerin aus dem Ausland erhielt einen Arbeitsvertrag über 20 Stunden pro Woche und ein Gehalt von 1.350 Euro brutto inklusive Unterkunft und einer Mahlzeit.
Tatsächlich wurde sie jedoch täglich von ca. 11:00–14:00 Uhr und 16:00–23:00 Uhr eingesetzt – also wie eine Vollzeitkraft, und zwar nahezu ohne freie Tage.

Die Realität: Über 300 Überstunden – aber nur 1.700 Euro Auszahlung

Aus den dokumentierten und retrospektiv rekonstruierten Zeiten ergibt sich folgendes Bild:

  • Geplanter Monatsumfang: 80 Stunden
  • Tatsächlich geleistet: ca. 350–380 Stunden pro Monat
  • Gesamtarbeitszeit im Zeitraum 10.10.–03.12.: über 700 Stunden
  • Ausgezahlter Lohn: 1.700 Euro (bar)

Zum Vergleich: Eine regulär angestellte deutsche Kraft hätte für diese Arbeitsleistung einen Bruttolohn von mindestens:

4.200–4.600 Euro (je nach Zuschlägen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit).

Die Arbeitnehmerin erhielt also nur rund 35–40 % des tatsächlichen gesetzlichen Vergütungsanspruchs.

Warum wir dieses Beispiel veröffentlichen

Unser Ziel ist nicht, jemanden öffentlich anzuprangern, sondern aufzuklären. Und die meisten deutschen Arbeitgeber betrügen ihre Mitarbeiter nicht.
Viele ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kommen mit großem Vertrauen nach Deutschland – und geraten dennoch in Situationen, in denen sie:

  • ihre Rechte nicht kennen,
  • keine Lohnabrechnung erhalten,
  • Bargeld statt ordentlicher Zahlung bekommen,
  • überlange Arbeitszeiten leisten müssen,
  • oder Angst um ihren Aufenthaltstitel haben.

Damit solche Situationen künftig vermieden werden können, begleiten wir unsere Kandidatinnen und Kandidaten engmaschig. Wenn wir merken, dass etwas schiefläuft, sprechen wir Klartext –
denn Behörden akzeptieren nur stabile, nachvollziehbare und rechtlich saubere Lösungen.

Unsere Empfehlung für ausländische Arbeitnehmer

  • Immer Arbeitszeiten dokumentieren
  • Immer auf schriftliche Lohnabrechnung bestehen
  • Nie Bargeldauszahlungen ohne Quittung akzeptieren
  • Bei Problemen frühzeitig professionelle Unterstützung einholen

Netzwerk Arbeit e.V. steht Ihnen hierfür zuverlässig zur Seite.


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