Xing: kein Netzwerk für Arbeitssuchende und Arbeitgeber

Am 10.05.2018 ist mir zufällig aufgefallen, dass Xing etwas an den Eingabefeldern der Mitgliederprofile geändert hat. Aber nicht – so wie man es von agilen Unternehmen erwartet, um sein Produkt für deine Kunden/Mitglieder zu verbessern. Nein, man will Kunden/Mitglieder „zwingen“ zusätzliche „Tools“ einzukaufen, die ein Mehrfaches der bisherigen Mitgliederbeiträge kosten.

Zur Geschichte:
Xing – bekannt als Netzwerk, welches in allen Medien für sich wirbt und behauptet ein Netzwerk für Menschen zu sein, die sich beruflich verändern wollen, hatte in den Profilfeldern der Mitglieder an ganz leicht auffindbarer Stelle die Möglichkeit geboten, anzugeben, das man „arbeitssuchend“ ist.

Der Vorteil für Millionen von Mitgliedern, die einen  Job suchen, war der, das Unternehmer auf Mitarbeitersuche, Personalvermittler und andere Dienstleister relativ schnell diese Mitglieder auffinden konnten, um ihnen ein entsprechendes Angebot machen zu können.

Aber auch für Unternehmen, die dringend nach Arbeitern und Fachkräften suchen, war es sinnvoll, auf diese Art schnell ihre Zielgruppe ausmachen zu können.

Bei genauer Überlegung handelt es sich um eine Funktion, die man auf Grund der Werbeversprechen von Xing durchaus erwarten konnte. Und genau diesen Erwartungen kam Xing auch nach. Bis zum 10.5.2018, dem Tag, an dem ich festgestellt habe, dass man nicht mehr nach diesen Begriffen suchen kann.

Xing hat – ohne die Mitglieder zu benachrichtigen – eine Möglichkeit entfernt, die wesentlich für die Teilnahme, oder sogar der Hauptgrund, für die Teilnahme am Netzwerk war und für die viele Mitglieder Beiträge gezahlt haben.

Warum?
Xing hat zwischenzeitlich ein neues Mitgliedschaftsmodell geschaffen. Xing-Projobs heißt es und kostet ca. 20 Euro monatlich für Mitglieder, die sich auf Jobsuche befinden. Hier kann man – an einer nicht leicht auffindbaren Stelle – bekanntgeben, dass man sich beruflich verändern möchte. Man rechnet also damit, dass immer mehr Mitglieder bereit sind, 20 Euro und mehr für die Nutzung von Xing zu bezahlen.

Mit dieser Entscheidung könnte man eventuell noch leben, wenn dafür die Möglichkeiten von einem Unternehmen gefunden zu werden, um einiges höher ist. Dem ist aber nicht so. Es sind in Zukunft keine tausende oder Millionen von Unternehmen, die ganz einfach neue Mitarbeiter finden. Nein, man hat die Auswahl der Unternehmen natürlich auch eingeschränkt. Nur wenn ein Unternehmen oder Personalvermittler bereit ist, den XTM (Xing Talent Manager) für mindestens 12 Monate zu buchen, kann man das neue Feld „bereit für berufliche Veränderung“ auswerten. Natürlich nicht umsonst. Der Monatsbeitrag für den Xing Talent Manager beträgt zwischen 250 und 300 Euro und man muss sich in eine Software einarbeiten, die nicht jeder sofort so bedienen kann, dass sie schnellstens einen Nutzen vermittelt.

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Konnte man vorher davon ausgehen, dass jedes Unternehmen und jeder Personalvermittler in der Lage waren, schnell Mitarbeiter zu finden, gilt dies nun nur noch für eine überschaubare Anzahl von fünftausend bis achttausend Nutzern des Xing Talent Managers.

Die Folgen:
Arbeitssuchende werden in Zukunft mehr Geld in die Hand nehmen müssen, wenn sie einen Job suchen und sich darauf verlassen, dass sie von einer geringen Anzahl von Xing Talent Manager Nutzern gesucht und gefunden werden, die gleichzeitig bereit sind, fast 3-4 tsd. Euro pro Jahr für die Nutzung der Software zu zahlen. Für klein- und mittelständische Unternehmen, die oft nur wenige Mitarbeiter suchen, schließt sich also die Nutzung vollständig aus. Was bleibt, ist die Möglichkeit der Personalsuche über eine Anzeigenschaltung.

Fazit:
Meiner Meinung nach ist es grundsätzlich falsch bei Xing und anderen Netzwerken von sozialen Netzwerken zu sprechen. Die Vorteile für die große Masse der Nutzer sind sehr eingeschränkt.

Betrachten Sie Netzwerke als das, was sie sind. Sie als Nutzer sind ein „begehrtes Gut“, was aber nicht bedeuten muss, dass man sich ganz besonders um Ihre Wünsche kümmert. Nein, es geht um das Betriebsergebnis, oder die Wünsche der Aktionäre, die man befriedigen muss. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, denn der Laden muss laufen, die Kosten müssen gedeckt werden und das Gewinnbestreben ist auch nicht verwerflich.

Verwerflich an der Situation ist die Tatsache, dass Innovationen auf der Strecke bleiben und dem Kunden Vorteile „vorgespielt“ werden, die nicht vorhanden sind.
Aber das kennen wir ja bereits von einigen Automobilherstellern, denen die Verbraucher und die Umwelt egal sind.

Und was sagt Xing dazu?
Selbstverständlich habe ich in der Xing-User-Gruppe einen ähnlichen Beitrag veröffentlich, in der Hoffnung, das andere Mitglieder auch informiert werden und Xing sich zu diesem Thema melden wird.

Auf eine Antwort warte ich heute (24.05.2018) noch. So wie wir es auch bei Nachfragen in anderen Unternehmen oder bei Politikern auch gewöhnt sind, die sich in einer Schlüsselposition befinden. Man ist sich seiner „Macht“ bewusst, möchte zwar immer wieder gewählt werden, ist aber weniger am Service für den Kunden interessiert, weil die Wünsche der Aktionäre befriedigt werden müssen.

 

 

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